Computerspiele sind inzwischen seit Jahrzehnten aus Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken. Kinder im Schulalter verbringen viel Zeit vor dem PC und in der Regel nicht, um mit dessen Hilfe Hausaufgaben zu machen. Für Eltern ist es meist schwer einzuschätzen, wie lange ihr Kind pro Tag tatsächlich mit Computerspielen beschäftigt ist, denn Schulkinder sind ab einem gewissen Alter am Nachmittag allein zu Hause. Als Eltern hat man vielleicht ein bestimmtes Gefühl, ob das Kind besonders viel Zeit mit Computerspielen verbringt oder nicht. Aber wissen tun es die meisten wohl eher nicht. Und noch seltener wissen sie um die Suchtpotentiale bestimmter Computerspiele. Und spätestens bei diesem Thema sollten alle Eltern hellhörig werden.
Die Studie
Die Studie zur "Computerspielabhängigkeit im Kindes- und Jugendalter" wurde vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen bundesweit durchgeführt. Bei der Studie wurden in den Jahren 2007 und 2008 46610 Schülerinnen und Schüler neunter Klassen befragt.
Das Ergebnis
Der Anteil der Schüler, bei denen ein exzessives Spielverhalten (täglich mehr als 4,5 Stunden) festgestellt wurde, betrug 4,3 Prozent bei den Mädchen und 15,8 Prozent bei Jungen. Untersucht wurde dabei auch, in wie weit bei Computerspielen ein Suchtpotential vorhanden ist. Auch hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Jungen und Mädchen. Laut Analyse gelten 3 Prozent der Jungen aber nur 0,3 Prozent der Mädchen als computerspielabhängig. Eine Gefährdung in Sachen Abhängigkeit betrifft bei Jungen weitere 4,7 Prozent, bei Mädchen widerum nur 0,5 Prozent.
World of Warcraft auf dem Spitzenplatz
Laut Studie zeigte das höchste Abhängigkeitpotential das Spiel "World of warcraft". Für dieses Computerspiel wurden von 15-jährigen männlichen Nutzer täglich fast 4 Stunden Zeit aufgebracht. 36 Prozent spielen sogar mehr als 4,5 Stunden pro Tag. Die Abhängigkeitsgefährdung liegt hier bei 11,6% und die Abhängigkeit liegt bei 8,5 %. Somit kann man hier davon sprechen, dass ein Fünftel dieser Jugendlichen ein Übermass an Zeit in dieses Computerspiel investiert.
Was bringt diese Studie im Ergebnis?
Zum Einen wurde erkannt, das auf diesem Gebiet noch mehr Forschung betrieben werden muss. Außerdem wird angeregt, dass der Jugendmedienschutz das Abhängigkeitspotential von Computerspielen deutlich stärker als bisher in die Bewertung von diesen Spielen einfliessen lassen muss, so dass Computerspiele mit einem erhöhten Abhängigkeitspotential nur noch für Erwachsene freigegeben werden.
Und nun?
Am Ende muss man zu dem Schluss kommen, dass es recht löblich ist, das Suchtpotential von Computerspielen stärker im Blick zu haben. Aber eine Freigabe allein für Erwachsene hat sicher noch keinen Jugendlichen davon abgehalten, Zigaretten, Alkohol und andere Drogen zu konsumieren. Sicher, Computerspiele bieten ein anderes Suchtpotential als die klassischen Drogen. Dennoch muss man von einer gewissen Gefährung von Jugendlichen ausgehen. Und soviel von der Seite des Gesetzes auch reguliert werden mag, am Ende liegt die Verantwortung dennoch wieder fast ausschließlich bei den Eltern. Sie haben im Idealfall den stärksten Einfluss auf die Entwicklung ihres Kindes und können am ehesten zu einem verantwortungs- und maßvollen Umgang mit Computerspielen beitragen. Es ist - keine Frage - eine ziemlich schwierige Aufgabe aber wie bei anderen schwierigen Problemen auch, kann man sich zusammenschließen, Erfahrungen austauschen. Und wer als Mutter oder Vater vor dem ersten Kontakt des Kindes mit Computerspielen von der Gefährdung immerhin weiß, hat schon mal deutlich bessere Chancen, dass die Computerspielnutzung "im Rahmen" bleibt. Wenn der Sohn eh schon täglich 4 Stunden und mehr vor dem PC sitzt und seine Zeit mit Spielen totschlägt, ist es ungleich schwieriger die Kurve zu kriegen.
Wenn gar nichts mehr geht
Wenn die Computerspielsucht offensichtlich ist helfen vielleicht nur noch professionelle Hilfsangebote wie die ambulante Anlaufstelle für Computerspiel- und Internetsucht der Uniklinik Mainz. Hier wird den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Behandlung ihrer Sucht eine spezielle Form der Gruppentherapie angeboten. Allerdings ist diese Ambulanz eher ein Einzelfall und man kann davon ausgehen, dass in den Anlaufstellen der Suchtkrankenhilfe die Betreuung von Patienten mit suchtartigem Computerspielverhalten meist nicht gewährleistet werden kann. Auch auf dieser Ebene gibt es also noch viel zu tun.
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